Sicherheit auf dem Wasser erfordert Kontrolle
- Poul van den Elshout

- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
In der Ausgabe Nr. 96 des Maritiem Courants schrieb ich einen Artikel darüber, wie wir mit Hilfe von Korridormanagern mehr Kontrolle über unsere Wasserwege und alles, was auf und um sie herum geschieht, erlangen können.

Sie können den Artikel auf Maritiem Courant oder als Blogbeitrag weiter unten lesen.
In der Binnenschifffahrt dreht sich vieles um Schiffe, Motoren, Treibstoffe, Schleusen und Vorschriften. Das ist verständlich, denn hier liegt ein Großteil der täglichen Komplexität. In Gesprächen mit Verladern stelle ich jedoch fest, dass ihre Fragen viel einfacher beginnen: Kommt meine Ladung pünktlich an? Kann ich das meinem Kunden erklären? Und passt das zu meinen CO₂-Zielen?
Das klingt fast zu einfach. Doch genau darin liegt die Herausforderung unserer Zeit.
Der heutige Verlader lebt in einer anderen Welt als noch vor zehn Jahren. Er muss die Lieferzuverlässigkeit in einer Lieferkette gewährleisten, in der Terminals ausgelastet sein können, Niedrigwasserstände wieder ein Problem darstellen, Personal knapp ist, die Treibstoffpreise schwanken und Kunden zunehmend nachweisbare CO₂-Bilanz fordern. Gleichzeitig bleibt der Kostendruck bestehen. Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung, und die Transportkosten fließen weiterhin in jede Kaufentscheidung ein.
Hinzu kommt ein Aspekt, der zu wenig Beachtung findet: Die Verfügbarkeit des richtigen Schiffes ist nicht mehr selbstverständlich. Insbesondere kleinere Schiffe verschwinden langsam vom Markt. Mit ihnen schwinden Tonnage und Reichweite. Auf kleinen Wasserstraßen, regionalen Korridoren und bei Niedrigwasserständen sind es oft genau diese kleineren Schiffe, die den Transport der Fracht sichern. Fällt diese Kapazität weg, verlagert sich die Wahl des Verladers unmerklich zurück zum Straßentransport. Inhaltlich kann die Binnenschifffahrt nach wie vor die beste Alternative sein, doch es fehlt schlichtweg das passende Schiff.
Letztendlich zählt für den Verlader die konkrete Leistungsfähigkeit seiner eigenen Lieferkette. Er muss in der Lage sein, morgen zu liefern. Er muss wissen, wo sich seine Ladung befindet. Er muss die Emissionen nachweisen können. Und er muss im Falle einer Störung schnell reagieren können. Seine Kaufentscheidungen geben somit die Richtung für den Markt vor. Wird die Binnenschifffahrt nur als einmalige Fahrt zum niedrigsten Preis gebucht, bleibt der Sektor anfällig.
Der Wandel beginnt mit der Frage, welchen Teil des Risikos der Verlader gemeinsam mit der Lieferkette tragen möchte. In den meisten Fällen muss ein Verlader dafür nicht selbst Schiffe kaufen. Gemeinsam mit seinen Logistikpartnern muss er jedoch Kapazität als strategische Voraussetzung und nicht nur als Kaufkriterium betrachten.
Dies erfordert eine neue Organisationsweise. Der Charterer spielt dabei eine wichtige Rolle. Seine Stärke liegt in seiner Marktkenntnis, der Schiffsverfügbarkeit und der Verknüpfung von Ladung und Kapazität. Gleichzeitig geht der strukturelle Bedarf über einzelne Charteraufträge hinaus: Welche Flotte werden wir in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren auf welchen Wasserstraßen benötigen? Hierfür ist ein Korridormanager erforderlich: eine neutrale oder öffentlich-private Organisation, die Verlader, Charterer, Reedereien, Kapitäne, Terminals, Häfen, Finanziers und die Regierung in Bezug auf bestimmte Wasserstraßen und Güterströme zusammenbringt.
Strukturelle und potenzielle Güterströme müssen erfasst werden. Es gilt, die benötigten Schiffstypen zu bestimmen. Vereinbarungen über Mindestkapazität, CO₂-Bilanz, Daten, Ausweichmöglichkeiten bei Niedrigwasser und Investitionssicherheit müssen getroffen und mit langfristigen Verträgen oder Kapazitätsgarantien kombiniert werden.
Die kommenden Jahre erfordern zusätzliche kollektive Organisationsstärke. Der Sektor muss sich weiterhin auf die sich bietenden Möglichkeiten von morgen einstellen und gemeinsam die zukünftigen Bedürfnisse entwickeln.
Verlader suchen nach Planungssicherheit. Gelingt es der Binnenschifffahrt, diese Sicherheit zu gewährleisten – durch bessere Daten, intelligentere Verträge, Korridormanagement und eine auf die jeweilige Wasserstraße abgestimmte Flotte –, dann bietet sich hier möglicherweise die größte Wachstumschance der nächsten zehn Jahre.

Kommentare